Wie begeht man in Zeiten des Homeschoolings einen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus? – Erfahrungen aus einer Videokonferenzstunde


    1.  Januar. Der Ethikkurs der 10. Klassen der Geschwister-Scholl-Realschule plus begab sich auf eine sowohl historische als auch emotionale Reise, um der Opfer des nationalsozialistischen Terrors zu gedenken.

Zu Beginn der Videokonferenz erklang zum Foto der auf Halbmast gehissten Deutschlandflagge eine Audiodatei des jüdischen Trauergebetes El male rachamim. Hier singt ein Kantor fast eineinhalb Minuten eine sehr traurige Melodie auf Hebräisch. Plötzlich ertönen wie aus dem Nichts die bekannten Orte „Auschwitz, Belzec, Bergen-Belsen, Dachau, Majdanek, Sobibor, Treblinka.“ Orte, die für unvorstellbares Grauen stehen.

Eingespielte historische Fotos und die unbegreiflichen Zahlen der Todesopfer dieser Konzentrations- und Vernichtungslager unterstrichen die erschütternde Wirkung.

Nun waren die Schülerinnen und Schüler eingeladen, bei sich zu Hause vor den Bildschirmen gemeinsam mit ihrer Lehrerin Cornelia Berenz-Weber der Opfer zu gedenken. Nach jedem Ort des Grauens wurde das jüdische Gebet angehalten und stellvertretend für alle Opfer jeweils in Stille eine Kerze entzündet. Eine Schweigeminute folgte. So erhellten nach und nach sieben Kerzen den Raum.

Auch die Namensgeber der Schule, Hans und Sophie Scholl ließen ihr Leben durch die Hand der Nationalsozialisten – so durften Lichter für die beiden mutigen Vorbilder nicht fehlen.

Auf Vorschlag der Schülerinnen und Schüler sollte ein weiteres Licht für alle unsere lieben Verstorbenen leuchten.

Diese zehn Kerzen brannten anschließend zehn Minuten in Stille. Freiwillig öffneten nach und nach einige Schülerinnen und Schüler ebenfalls ihre Kamera, um die vor ihnen stehenden Kerzen mit den anderen zu teilen.

Es war ein würdiges Gedenken und eine bewegende Erfahrung, Videokonferenzen für eine völlig andere Art von Unterricht nutzen zu können.

 

 

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