Ta-ta-ta-taaaa….. – Intensivprobetage unserer Bläserklassen im Januar 2018


  Zunächst waren es naturgemäß nicht immer nur schöne Klänge, die Fuß- und Gassigängern in Vallendar in der letzten Woche entgegen schallten. Unsere Bläserklassen 5b und 6b hatten sich gleich im Anschluss an die Weihnachtsferien zum intensiven Proben ins Haus Wasserburg begeben. Während die „Großen“ sich darauf freuten, mit den „Kleinen“ gemeinsam üben und etwas von ihrem musikalischen Können weitergeben zu können, waren unsere Kleinen besonders aufgeregt: Wie würde das wohl sein, wenn man den ganzen Tag über in sein Instrument hineinpusten müsste? Könnte man sich vor Heimweh nach Mama überhaupt auf das anstrengende Proben konzentrieren? Aber bestimmt würde es ganz toll, von den Großen etwas zu lernen und endlich auch mal richtig coole Stücke zu spielen… Und dann sollte es am Donnerstag nach dem Abendessen (zu einer Zeit also, wo unsere Schüler normalerweise schon Richtung Bett unterwegs sein sollten,…) auch noch ein Konzert geben – vor richtigem Publikum…

Flossen zunächst tatsächlich noch ein paar Tränen, war der Abschiedsschmerz von den Eltern schnell vergessen: Koffer und Taschen wurden schnell untergestellt, die Zimmer würden erst nachmittags bezogen werden. Gemeinsam mussten nun 35 Notenständer, zwei Schlagzeuge und natürlich die eigenen Holz- und Blechblasinstrumente sorgfältig in zwei Räumen aufgebaut werden. Sogleich stürzten sich Lehrer und Schüler in die erste gemeinsame Probe. Für die Fünfer stand ein völlig neues Stück auf dem Programm, der wirklich effektvolle „Posaunen-Rag“. Zur Motivation spielten die Sechser erst einmal vor. Wow! Das klang sehr cool, aber wie sollten die Kleinen das jemals schaffen? Ganz einfach: Jeweils ein Sechstklässler nahm sich seines Patenfünftklässlers an: Meline half Tiziana (Fl), Ann-Katrin übte mit Anastastia (Fl), Kathleen und Hanna (Kl) bildeten ein Team, wie auch Anthony und Ahmad (Kl) sowie Tim und Samuel (Eu). Mervan und Simon unterstützten Pascal (Sax), Max und Mary zeigten Can und Steven (Trp) wie´s geht.

Noel und Timo gaben sich viel Mühe mit Dominik bei der schwierigen Posaunen-Solostimme.

Nur Fabian blieb übrig und wähnte sich schon im Pausenglück, wäre da nicht Frau Sänger gewesen, die auch für ihn ein kleines Rhythmus-Übeprogramm parat hatte….

Und siehe da: Innerhalb von nur 15 Minuten hatten die Großen den Kleinen tatsächlich beigebracht, dieses neue Stück fast fehlerfrei mitzuspielen!!! Damit es aber nicht zu langweilig für die Sechstklässler wurde, sollten sie nun eine neue, eigens für sie geschriebene, anspruchsvollere Überstimme dazu spielen. Also hieß es für unsere Kleinen: Umzug ins Hauptgebäude, wo sie mit Frau Sänger und Herrn Herche (Stadtorchester Andernach) nochmals ganz gezielt unter sich proben konnten, während die Großen sich mit Frau Berenz-Weber die komplexen neuen Noten vornahmen. So verging der erste Vormittag wie im Flug.

In einer weiteren gemeinsamen Probe am Nachmittag wurden beide Teile erstmals zusammengesetzt. Jeder weiß, wie schwierig es ist, im Kanon zu singen und sich nicht von den anderen Sängern herausbringen zu lassen. Für unsere Fünfer war es nun eine entsprechende Herausforderung, sich auf ihre eigene Stimme zu konzentrieren, während die Sechser rhythmisch und melodisch völlig andere Stimmen dazu (oder sollte man besser sagen: dagegen?) spielten. Und die Sechser hatten selbst alle Hände (und Lippen) voll zu tun, so dass sie sich hierbei nicht auch noch um die Fünfer kümmern konnten…. Aber wie so oft im Leben zeigte sich auch hier wieder: Was lange währt, wird endlich gut. Der „Posaunen-Rag“ wurde beim Konzert schließlich einer der Höhepunkte, auf den Fünfer wie Sechstklässler sehr stolz waren!

 

Allerdings kamen bei der letzen Probe am ersten Abend die ersten körperlichen Probleme auf: „Mein Finger tut vom Halten der Trompete so weh!“, „Ich habe Lippenschmerzen!“, „Und ich erst!!!“, „Meine Zähne wackeln schon beim Klarinettespielen!“. Ja, so ist das, wenn man zu Hause nicht so regelmäßig sein Instrument übt und sonst nicht so lange spielt. Und weit und breit keine Durchsage: „Bitte Sani-Dienst!“ zu hören und damit auch keine Abhilfe in Aussicht… Vielleicht sollten wir im nächsten Jahr einen mobilen Sani-Dienst aus der Schule mitnehmen? Die Sechser kümmerten sich rührend und machten den Kleinen Mut: „Das war bei mir letztes Jahr auch so!“, „Du musst zwischendrin die Lippen wie ein Pferd lockern.“ „Guck mal. Das geht so.“, „Morgen wird es besser…“, „Ich halte mein Instrument dann so!“.

In dieser Situation half nur ein neuer Motivationskick: Die Sechser spielten den Fünfern „Power-Rock“ vor  – ein Queen-Medley, unter anderem mit dem Riesenhit „We will rock you“. Und siehe da: Von Müdigkeit, Spielunlust oder Schmerzen bei den Fünfern keine Spur! „Können wir das auch lernen?“ „Bitteee!!!“, tönte es einstimmig aus allen Fünferkehlen. Also traten die Sechserpaten wieder in Aktion, und schon bald rockte die ganze Wasserburg, Fabi gab mit Unterstützung von Frau Sänger am Schlagzeug sein Bestes, die Wände zum Beben zu bringen: Und alle:

„Stampf – stampf – klatsch, stampf – stampf – klatsch,

we will, we will rock you!“

Nach einer ausgiebigen Nachtwanderung ins vermatschte Wambachtal, fielen alle müde ins Bett….  – Oder etwa doch nicht? Ach nein? War da noch was? Ach tatsächlich: Unsere Schüler waren schlafenstechnisch noch im Ferienmodus… Kurz gesagt: Es wurde für alle eine sehr kurze Nacht!

Am nächsten Tag stand nach dem viel zu frühen Frühstück zunächst ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft an, um die ganze Bande halbwegs wach zu bekommen. Dann ging es weiter. Anfangs wurde die „Titanic“ durch (der Müdigkeit geschuldete) falsche Töne regelrecht musikalisch versenkt… Ehrlicherweise muss man zugeben, dass sich dies im Lauf der Proben erheblich besserte. Die Fünfer probten mit Unterstützung von Herrn Herche vom Andernacher Stadtorchester zeitgleich das französische Volkslied „Au clair de la lune“ und nun zum ersten Mal ein zweistimmiges Stück „London Bridge“, was auch für sie eine neue große Herausforderung darstellte. Dann stand der „Final Countdown“ bei den Großen auf dem Programm – sehr schwierig, aber auch sehr motivierend, da die Sechser an vielen Stellen ihre Fähigkeiten als Solokünstler demonstrieren können.

Den ganzen Tag wechselten sich Probephasen mit Laufrunden (Insider-Stichwort: „Eheweg“) und kurzen Ausflügen an die frische Luft sowie den nahegelegenen Spielplatz ab, um das abendliche Konzert vorzubereiten. Etliche Wehwehchen mussten zwischendurch verarztet werden: Finger mit Papiertaschentüchern, Pflastern und Tape verbunden, Lippen eingecremt und mit Wundermittelchen gefettet werden, selbst die Blechblasinstrumente machten zeitweise schlapp und blubberten vor lauter Kondenswasser in den Zügen (gell, Tim?). Dann vor dem Abendessen noch eine schnelle Generalprobe aller Stücke mit dem vereinigten „großen“ Orchester – das machte Spaß, wir waren bereit.

Das Konzert

Sämtliche Matschschuhe standen in Reih und Glied vor dem vorbildlich aufgeräumten Probesaal, alle Schüler saßen (in Socken oder Hausschuhen) ein bisschen aufgeregt, vor allem aber erwartungsvoll gespannt auf ihren Plätzen, die Noten der zu spielenden Stücke waren in der richtigen Reihenfolge sortiert, die „Spucktücher“ für die Blechbläser lagen gut getarnt auf dem Boden, (beinahe) alle Instrumente waren durchgeputzt, Stühle und Bänke für das Publikum bereitgestellt, allein was fehlte, waren unsere Zuschauer…

Das ging ja gar nicht!!! Simon, Anthony und Noel rannten zurück in die Burg und mobilisierten eine Gruppe junger Erwachsener, die sich nach und nach zu uns gesellten. Mit einigen Minuten Verspätung starteten wir schließlich das erste richtige Konzert unserer Fünftklässler, die ja erst im Spätsommer mit dem Instrumentalspiel begonnen hatten. Da war die Unterstützung der „alten Hasen“ aus der 6b hochwillkommen. Die beiden Lehrerinnen wechselten sich mit dem Dirigat ab und führten auch durch das Programm. Es gab leichtere, schwerere und sogar anspruchsvolle Stücke, von denen manche ja erst seit einem Tag geprobt wurden. Naturgemäß konnte da noch nicht jeder Ton stimmen, aber das tat der Stimmung im Publikum keinen Abbruch. Frau Berenz-Weber erklärte den Zuschauern, worin jeweils Schwierigkeit und Lernfortschritt lagen, und das begeisterte Publikum jubelte den kleinen Helden der Instrumente ausgiebig und voll ehrlichen Erstaunens zu. Das wiederum steigerte die Motivation unserer Schüler, die bald wie auf Wolken getragen ihr Bestes haben. Besonders gut kam der oben erwähnte „Posaunen-Rag“ mit dem Posaunen-Glissando- Solo von Timo, Noel (jeweils 6b) und Dominik (5b!) an. Bei den bekannten Melodien wie „Bruder Jakob“ (als Kanon in vier Stimmen) sowie den Hits aus „Star Wars“ hörte man sogar den ein oder anderen Gast mitsingen.

Die „Titanic“ versank nach anfänglichen Problemen unserer Nebelhörner (upps, Posaunen & Euphonium) historisch korrekt in den Fluten und wurde zunächst angemessen verhalten, dann stürmisch beklatscht.

Geradezu frenetischen Jubel lösten dann unsere beiden Schlusstücke aus: Im „Final Countdown“ der Sechstklässler begeisterten vor allem die Solisten Max (Trp) und Mervan (Sax), die sich mit Meline (Fl), Ann-Katrin (Fl), Kathleen (Kl) , Anthony (Kl) und dem tiefen Blech (Timo, Noel, Tim) abwechselten. Auch Mary (Trp), Simon (Sax) und Fabi (Set) trugen das Ihre zum grandiosen Gelingen bei.

Den Höhepunkt der Begeisterung erreichten die beiden Bläserklassen jedoch gemeinsam mit dem „Power-Rock“. Die Zuschauer stampften und klatschen im Rhythmus, sangen im Fortissimo „We will rock you“ und ließen die Schlussakkorde im tosenden Applaus untergehen. Fünftklässler, Sechstklässler, die beiden Lehrerinnen sowie das gesamte Publikum strahlten um die Wette – welch ein wunderbarer Erfolg. Doch niemand hätte zu Träumen gewagt, was die jungen Erwachsenen aus der Wasserburg sich anschließend für uns ausdachten: Sie standen vor dem Haus Spalier und empfingen jeden einzelnen Schüler unter lautstarkem Jubel mit riesigem Beifall. Das war ein unbeschreibliches Gefühl!!! Welch Lohn und Anerkennung für die vielen Probestunden unserer Bläserkinder.

Entsprechend turbulent ging es anschließend auf den Gängen im Haus zu. An Schlafen war lange Zeit nicht zu denken, zu viele Endorphine flossen durch Blut und Gehirn, zu viele Ohrwürmer rauschten durch die Gehörgänge, da half auch das Toben im Sofa-Planeten mit dem anschließenden Pflicht-Duschen nur bedingt. Aber irgendwann übermannte der Schlaf auch die letzten Zimmergenossen, und zwei völlig erschöpfte Lehrerinnen fielen dankbar in ihr Bett.

Der letzte Morgen war von Aufräumen, Packen und einer letzten Probephase gezeichnet, in der das Gelernte vertieft wurde. Beim Mittagessen bedankten sich unserer Zuschauer (die jungen Erwachsenen) noch einmal persönlich bei den Bläserkindern für das wunderbare Konzert. Mit glänzenden Augen berichteten die Kinder ihren Eltern beim Abholen nicht nur davon…

Und auch die Vallendarer Bürger samt ihrer Hunde sind unendlich dankbar: Nach unserer Abreise können sie wieder beruhigt in ihrem Ort umherspazieren oder Gassi gehen, ohne sich der Gefahr auszusetzen, sich mit dem besonders hartnäckigen und nicht zu unterschätzenden (inzwischen aber durchaus wohlklingenden) Ohrwurm der Art „Ta – ta – ta- taa“ zu infizieren…

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